Erst mal fuhren wir zum Vatikan zu verschiedenen Besichtigungen, jeder nach seinem Interesse. Zu Mittag hieß es dann für die Sänger: Wieder ins Hotel zum Umkleiden und Einsingen! Um 15:30 trafen wir uns am Obelisken auf dem Petersplatz. Nach Absolvieren der Sicherheitskontrolle konnten wir in den Petersdom und wurden zur „Schola Cantorum"
geführt. Das ist ein Podium mit Orgel-Spieltisch seitlich vom Hauptaltar. Dort trafen wir den Organisten von St. Peter und dazu Sgr. Temistocle Capone, den „Maestro di Capella" des Sixtinischen Chores, sowie die Herren der Choralschola.
Der „Vesper"-Gottesdienst begann um 17:00 Uhr mit Felice Anerios „Christus factus est“, von uns a-cappella gesungen. Obwohl keine Ansingprobe im Petersdom möglich gewesen war, hatten wir keine wirklichen Probleme mit der Raumakustik. Nach der Predigt war dann Hans Leo Hassler's „Cantate Domino“ an der Reihe, für das uns Maestro Capone begeistert lobte. Da fragte der Organist, ob wir auch die lateinischen Missale-Teile der gregorianischen „Missa de Angelis“ mitsingen könnten. Unser Chorleiter Jürgen Meyer bestätigte dies, und so sangen wir das „Sanctus“ und „Benedictus“, das „Pater noster“ und schließlich auch das „Agnus Dei“ zusammen mit der Choralschola des Sixtinischen Chores. Darauf folgten während der Kommunion unsere beiden Motetten „O Salutaris Hostia“ von Franz Liszt und „Adoramus te“ von Clemens non Papa. Den Schluß bildete das „Salve Regina“ von Antonio Lotti, perfekt passend zum heutigen Rosenkranzfest. Nach dem Schlußsegen schließlich ließ es sich der Zelebrant nicht nehmen, im Namen der etwa 500 Gottesdienstbesucher am „Altare della Cattedra", sowie der circa 6.000 - 8.000 Petersdombesucher außerhalb der Absperrung im weiten Raum der riesigen Basilika (sie fasst ca. 50.000 Personen!), denen der Gottesdienst über die vorzügliche Beschallungsanlage des Petersdomes übertragen worden war, dem Kirchenchor Herz Jesu Oberwürzbach in Italienisch, Englisch und Deutsch zu danken „für den wunderbaren Gesang". Für uns ein wahrhaft magischer Moment.
Nach einem Gruppenfoto vor dem „Altare della Cattedra"
(mit dem historischen Lehrstuhl Petri, siehe das Foto oben), glich unser Weg nach draußen einem wahren Hindernislauf. Unablässig wurden unsere Choristen von unzähligen Personen aus Deutschland und aus aller Welt, besonders natürlich aus dem europäischen Kulturkreis, voller Begeisterung angesprochen und fast überschwänglich bedankt für unser „very wonderful singing", so von Engländern, Brasilianern, Amerikanern und mehreren Franzosen („merveilleux"). Für eine unserer Sängerinnen fiel sogar ein Küsschen ab! Das ging so weiter bis außerhalb der Basilika, auf der Rampe, dem Petersplatz, und schließlich auch noch bei der „Fermata", der Bushaltestelle an der Via Aurelia. Am Abend war die Stimmung entsprechend gehoben. Da sprachen wir dem Wein (und manche auch dem Grappa!) etwas intensiver zu als sonst üblich, besonders, weil wir am Vorabend zur Schonung der Stimmen gewisse Einschränkungen hatten hinnehmen müssen.
Am Samstag war dann die Innenstadt und das frühere Marsfeld dran: Erst das „Area sacra Largo Torre Argentina" (der vielen dort hausenden Katzen wegen etwas despektierlich auch „Katzenforum“ genannt), dann S. Maria sopra Minerva. Das bereits 1.900 Jahre alte, überwältigend einfache und doch durch seine ungeheure Raumwirkung so beeindruckende Pantheon war der nächste Zielpunkt (und ich konnte mich kaum davon lösen), dann S. Luigi di Francesi mit Caravaggios Gemälden, schließlich die Piazza Navona. Die Reisegruppe löste sich nun vollends in Kleingruppen und Einzelpersonen auf, da fast jeder eigene Präferenzen hatte und die Kürze der Zeit das Setzen von Schwerpunkten sinnvoll machte. Manche wollten einfach nur durch die Stadt schlendern, um die Atmosphäre des „Caput Mundi" auf sich wirken zu lassen, andere fuhren zu den Katakomben oder zur Besichtigung noch weiterer Basiliken, wieder andere nach Trastevere und auf den Mons Janicolo. Zum Abendessen aber waren alle wieder ohne Schaden zurück!
Am Sonntag sehr früh, schon um 06:00 Uhr, brachte uns dann unser Shuttlebus zum Flughafen. Die Flugangst war nun bereits der Routine gewichen. So war Frankfurt-Hahn schon bald erreicht, unser Bus war pünktlich dort, und die Mittagsrast bei gelöster Stimmung im Wendalinushof in St. Wendel brachte den gemütlichen Abschluss bei einem Gläschen Sekt und dem schmackhaften Essen vor der endgültigen Heimfahrt.
fh